Ägypten – Reisebericht

Wir schreiben den April 2003, es tobt gerade der 2. Golfkrieg und ich bin im 7. Monat schwanger. Wir machen eine Pauschalreise: Standesgemäß ausgerüstet mit einem Hartschalenkoffer begeben wir uns nach Hurghada. Schlimmer geht’s nimmer. Bereits nach zwei Tagen ödet uns der Strand an, der etwas den Charme einer frischgeschaufelten Baugrube hat. Doch zum Glück haben wir vorgesorgt und eine einwöchige Kreuzfahrt auf dem Nil gebucht – auf einem 5 Sterne Schiff versteht sich!

Im polizeigeschützten Konvoi geht es Richtung Luxor: Öde Steinwüste links und rechts. Ein Blick auf die Mitreisenden lässt uns übles schwanen. Gemeinsam mit vier Gleichgesinnten gründen wir eine Gegenfraktion zur Kaffeefahrtgesellschaft. Neben den obligatorisch farblosen nörgelnden Bierbauch-Rentnern spielen mit: Werner „das Tier“ VoKuHiLa, im 23. Monat bier-schwanger, Frittenbudenbesitzer und Pausenclown aus dem Ruhrpott; Catweasle, nebst Ehefrau „Kühwalda“, wahrscheinlich Redakteur der Reisesparte des Gemeindeblättchens, der Ägypten beschützt durch seinen Lederhut ausschließlich durch den Sucher seiner Videokamera gesehen hat. Die „Franken-Barbies“, Anfang 20, denen man das Fränkische allerdings nur angemerkt hat, als ein einziges Mal auf der Kreuzfahrt die Zähne auseinander bekommen haben. Es gibt Leute, da fragt man sich wirklich warum sie eine Kulturreise machen.

Wir entern das Schiff für einen ersten faulen Nachmittag, erstaunlicherweise sind wir mit 32 Leuten die einzigen auf einem Schiff, das normalerweise knapp 150 Leute fasst. Wenigstens kein Stau am Buffet.

Am nächsten Morgen um 6:00 Uhr klingelt das Telefon: Kultur ist dran. Wir fahren nach Westteben und besuchen zunächst den eindrucksvoll modern wirkenden Terrassentempel der Hatchepsut. Dass hier 1997 von Extremisten etwas 60 Touristen erschossen wurden, merkt man nur noch an Kontrollen, die jedem Flughafen gerecht werden würden, der Polizeipräsenz, und ein paar Kugeleinschlägen am Tempel.

Weiter zum Tal der Könige, es ist menschenleer. Unser Reiseführer empfiehlt uns drei der 63 Gräber, die erstaunlicherweise alle in unmittelbarer Nähe des Hauptplatzes liegen. Wir entscheiden uns aber für das weit abseits gelegene Grab von Tutmoses dem IV. Mit unserer persönlichen Polizeieskorte gelangen wir zum Eingang, wo uns der Ticketkontrolleur in Empfang nimmt und uns in die Tiefe des Grabes führt. Nicht dass wir den Weg nicht selbst gefunden hättten, aber da der Beruf des Grabräubers mittlerweile verpönt ist, verdient man sich stattdessen als Bakschischjäger. Im Gegensatz zu den anderen Gräbern, die eigentlich nur aus kurzen geraden Tunneln bestehen, muss man hier erst einmal über Treppen und steile Wege mit mehreren Richtungswechseln tief in den Berg hinabsteigen. In einer relativ großen Zwischenkammer mit farbenprächtigen Zeichnungen wurden wir genötigt Fotos mit Blitz zu machen – eine Aktion, die normalerweise nicht nur eine saftige Strafe, sondern auch noch den ganzen Film kostet. In der Hauptgrabkammer gab es dann auch nicht nur einen großen Sarkophag zu sehen; in einem dunklen Nebenraum, in den man nur durch einen Spalt hineinschaen konnte, lagen jede Menge Knochen und eine recht gut erhaltenen menschliche Mumie. Als nächstes wollten wir uns dann pflichtgemäß noch das Grab von Ramses des IV anschauen und mussten auf dem Weg dorthin festellen, dass unsere gesamte Gruppe schon jetzt auf uns wartete. Um unserem Ruf als ewig Zustätkommende gerecht zu werden, haben wir uns das Grab natürlich noch angesehen. Tolle Zeiteinteilung – eine ganze halbe Stunde hatten wir im Tal der Könige für uns, damit anschließen noch genügend Zeit bleibt, um eine Alabaster-Manufaktur anzuschauen – ebenfalls eine halbe Stunde. Die Könige zahlen halt keine Provision …
Nach einem kurzen Zwischenstopp bei den Memnom-Kolossen, ging es wieder zurück auf’s Boot.

Endlich konnten wir erleben, dass unser Boot nicht nur ein schwimmendes Hotel ist, sondern auch tatsächlich dazu dient, um von A nach B zu gelangen. Ziel der Etappe war Esna, wo wir die Nacht verbringen sollten. Sehr relaxt und irgendwie dekadent ließen wir die Nillandschaft an uns vorübergleiten. Um es wirklich genießen zu können, mussten wir erstmal die Schiffsordnung über den Haufen schmeißen, denn normalerweise darf man im Schatten nur sitzen, während man in der Sonne liegen musss. Obwohl es hier so gut wie nie regnet ist das Land entlang des Nils sehr fruchtbar – sofern es mittels Pumpen mit Nilwasser bewässert wird. Die Hütten links und rechts des Flußes sind aus Lehmwänden mit ein paar Palmwedeln bedeckt.

Ab hier verließ mich die Muse und es geht nur noch in Stichpunkten weiter.

Nachtlandgang mit Einkauf

Mi: Edfu, Kutsche Tempel, Kom Ombo, Weiterfahrt nach Assuan

Do: Philae Insel, Assuan Staudamm, Obelisk, Segelboot zu Kitchener Insel, Einkaufsbummel

Fr: Einkaufen, Museum, Rückfahrt nach Edfu, Landgang mit Wasserbier

Sa: Edfu – Esna – Luxor, Stadtrundfahrt, mit kurzem Einkauf

So: Karnak, Luxor-Tempel, Kaffee, Museum

Mo: Luxor – Hurghada

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