Hongkong – Reisebericht

Auf Hotelsuche

Unsere erste Rucksack-Reise fing schon im Vorfeld recht spannend an. Wir buchten LastMinute einen Flug nach Hongkong, aber Jürgen hatte noch keinen neuen Reisepass. Ich sah mich schon alleine davon fliegen, aber ein Tag vor Abflug war er, zu meiner Erleichertung endlich da.

Unser Flug ging über Amsterdam und wir waren seltsamerweise fast die einzigsten Rundaugen auf dem Flug. Damals landete man noch mitten in Hongkongs Flughafen Kai Tak, der Alptraum jedes Pilotens. Zwischen Bergen und Häuserschluchten knallt man auf die Landebahn, um mit einer Vollbremsung kurz vor dem Hafenbecken zum Stillstand zu kommen. Feuchte Hitze schlug uns entgegen, als wir den Flieger verließen. Jürgen war ziemlich platt nach dem Flug, da er mit sein nicht ganz 2m im Flugzeug nicht zum Schlafen kommt, da seine Beine immer irgendwie im Weg sind. So lag es an mir ein Hotelzimmer zu suchen, was uns eigentlich sehr einfach gemacht wurde, da im Flughafen ein kostenloses Telefon mit einer Liste von Hotels hing. Dennoch gar keine einfache Aufgabe, denn die meisten waren ausgebucht und wie man uns aufklärte, ist in ein paar Tagen das Chinesische Neujahrsfest und da kommen von überall auf der Welt Hongkong Chinesen zu ihren Familien. Wir fanden dann doch noch eine Bleibe, aber nur für die nächsten drei Tage. Wir hatten also eine Schonfrist, um uns in Hongkong einzuleben und eine neue Bleibe zu finden.

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Delikatessen?

Das Überwältigenste waren am Anfang die vielen unbekannten Gerüche und Essengehen war ein echtes Abenteuer. Nie wusste man, was man gerade bestellt hatte, da alles nur in chinesischen Schriftzeichen da stand. Wenn man aber etwas aus der mittleren Preisklasse bestellt, dann fährt man ganz gut, denn dann läuft man nicht Gefahr knusprige Hühnerfüße oder Schwalbennester serviert zu bekommen.

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Ich fühlte mich auf Anhieb wohl in dieser Stadt, was vielleich auch dar lag, dass alle meine Größe hatten. Jürgen hatte so seine Probleme, denn die Reklameschilder, die in Kowloon über dem Gehsteig hängen, beginnen bei ca. 1,9m.

Das berüchtigte Chung King Manisons

Mit den Doppeldeckerbussen kann man sich wunderbar fortbewegen und bekommt gleichzeitig eine Sightseeingtour. Da wir uns nach einer neuen Bleibe umsehen mussten, landeten wir nach erfolgloser Suche am Ende in den berüchtigten Chung King Manisons. Das Zimmer war ein echtes Loch, es kostete aber auch nur die Hälfte unseres Hotelzimmers. Die Lifte sind ein Alpraum, weshalb wir lieber durch das siffige Treppenhaus die 10 Stockwerke laufen und die Ratten verscheuchten.

In Hongkong ist großer Neujahrsschlußverkauf und wir kommen immer mit Tüten bepackt zurück von den Nachtmärkten und Shoppingmals. In Mongkok ist alles gut sortiert. Ein Straßenzug verkauft Turnschuhe, der nächste Bootsbedarf, ein anderer Hemden. Es war gar nicht so leicht die Rucksackstraße zu finden. Am Ende des Tages war Jürgen aber stolzer Besitzer eines La Fuma Backpacks.

In einer In-Kneipe, lernten wir Joke, den Optiker kennen und setzten mit ihm den Zug durch die Gemeinde fort. Für ihn verkörperten wir die perfekten Deutschen: blond, blauäugig und biertrinkend – nur der Biebauch fehlte. Das Bier ist 3 Mal so teuer, wie in DE und man bekommt auch genauso viel Mal mehr Kopfschmerzen davon.

Victoria Island bei Nacht

Hongkong ist einfach fazinierend. Auf der einen Seite, sehr asiatisch auf der anderen Seite (Victoria Island) sehr modern, mit seinen architektonisch ausgefallenen Wolkenkratzern. Der schönste Blick bietet einem der Victoria Peak bei Nacht. Viele Hochhäuser sind mit farbigen Lichterketten fürs Lunar New Year geschmückt.

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Essen macht inzwischen richtig Spaß, weil es so abwechslungsreich ist. Sauscharfes Thai-Curry, traumhaftes koreanisches Bulgogi und natürlich das Festtagsessen der Hongkong-Chinesen: Dim Sum.

Von unserem Zimmer hatten wir langsam die Nase voll und zogen in ein Guesthouse, welches von einer steinalten Oma geführt wurde. Mit einem kleinen Tempel im Flur, fühlten wir uns schon viel behaglicher und die Verständigung mit Händen und Füßen klappte auch ganz gut, denn Omi sprach kein Englisch.

Der Tempel der  10.000 Buddhas

Mit der U-Bahn und Zug fuhren wir nach Shatin in die New Territories, dort gibt es einen Tempel der Zehntausend Buddhas. Bevor man die Regale mit den kleinen Buddhas zu Gesicht bekommt, muss man sich aber erst den steilen Berg hocharbeiten in glühender Hitze.

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Auf der Insel Lantau

Zu Hongkong gehören viele hundert Inseln, Lantau ist eine von ihnen und nur 1h mit dem Schiff entfernt. Leider deutlich kühler und wahnsinnig windig, machten wir uns auf zum Kloster Po Lin, wo der größte Outdoor-Buddha (24m) auf einer Berngspitze thront. Im Kloster-Restaurant bekommt man eher mäßiges Essen und nur vegetarisch. Zurück ging’s mit einer Hover-Fähre.

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Die Meister im Platzsparen

Wegen mäßigen Wetters setzten wir die Erkundung Kowloons fort. Der Vogelmarkt war nicht zu überhören und wir mussten feststellen, dass Vögel weit mehr Platz zum Leben eingeräumt wird, als den Menschen hier. Besonders auffällig, neben den vielen traditionellen Apotheken, ist der platzsparende Umgang mit toten Tieren. Nicht nur plattgewalzte Hühnchen gibt es hier, sondern auch halbe Schweine können so locker auf dem Fahrradträger transportiert werden.

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Der Jade-Mark ist nur ein Touri-Nepp, der Kowloon-Park haut auch nicht vom Hocker, bis auf ein paar Tai Chi-Kämpfer. Mit dem Bus fuhren wir nach Aberdeen, was schon fast einer Sightseening-Tour gleich kam. Bewusst haben wir uns zu einer Sampan-Fahrt durch die schwimmende Stadt abschleppen lassen. In den Filmen sehen die Hausboot immer viel romantischer aus.

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Selbst saukaltes und windiges Wetter hält die philipinischen Hausmädchen nicht ab, sich in Central zu treffen. Es wird geschnattert wie auf dem Gänsemarkt.

Kreditkarte geschrottet

Irgendwie ist es unvorstellbar, dass morgen alle Geschäfte geschlossen sein sollen, wo hier sogar an Sonntagen bis tief in die Nacht verkauft wird. Bei einem unserer Shopping-Ausflüge, hat eine selten dämliche Kassiererin Jürgen’s Kreditkarte mit einem Magneten an der Kasse festgepinnt. Mit der bekommt man definitiv kein Geld mehr! Unser Bargeldvorrat beschränkt sich nur noch auf 400DM, was in dieser Stadt nicht viel ist.

Hongkonk ist nicht wieder zu erkennen. Die Strassen sind wie ausgestorben und nichts hat offen, bis auf ein McDonalds. Bei kaltem Nieselwetter machten wir uns auf in Richtung Tai Po, einer gräslichen Ansammlung von Hochhäusern. In der Nähe des Plover Cove Reservoirs ist der Eingang zum Pat Siu Leng Nature Trail. Vor uns lag ein 5km langer Aufstieg, der von scheppernden Neujahrsmusikgeklapper und -böllern begleitet wurde. Wir kamen uns vor, wie kleine Shaolin-Mönche, die den beschwerlichen Weg zum Kloster empor wanderten. Entlohnt wurden wir aber mit einer tollen Aussicht. In Bride’s pool grillten ganz viele Einheimische und führten Drachentänze auf, nur wir hatten hunriges Nachsehen.

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Von Räuchschnecken benebelt auf Cheung Chau

Die Banken haben alle geschlossen, die Wechselstuben akzeptieren keine MasterCards und die TravellerCheques haben wir schon auf den Kopf geschlagen. Obwohl es schiffte und noch kälter geworden ist, sind wir mit dem Schiff nach Cheung Chau gefahren. Malerische Junken mit bunten Fähnchen liegen im Hafen. In einem Tempel für den Schutzgott der Fischer, schütteln viele junge Chinesen Dosen mit Joss-Stäbchen, überall dampfen und qualmen Räucherstäbchen. Eine wunderbare Küste läd zum Langwandern ein und die Strände sind übersät mit schönen Muscheln und Korallen.

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Chinesisches Neujahrsfest

Mit der letzten Fähre erreichten wir den Hafen, dann wurde der Schiffsverkehr eingestellt. Tausende Menschen strömten dorthin. Wir hatten einen prima Platz, um das genialste Feuerwerk, was wir jemals gesehen hatten, zu bestaunen, dass von zwei Schiffen simulatan abgeschossen wurde. Wir hätten zuvor etwas Essen sollen, denn nach dem Feuerwerk strömten Millionen von Menschen die Strassen entlang und natürlich in die Restaurants. Wir mussten an einer Pizzeria 2h in der Schlage warten, bis wir unser Essen hatten.

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Die Casinos von Macao

Wir haben den kältesten Februar sei 25 Jahren! Die Banken haben immer noch geschlossen, aber zum Glück fanden wir eine Wechselstube, die einen Euro-Check akzeptierte. Per Zufall hatten wir auch die einzige Möglichkeit genutzt, um unseren Flug rechtzeitig zu bestätigen.

Unsere Extrem-Shopping-Touren haben unser Gepäck fast untragbar gemacht. Zum Glück haben wir ein Schließfach für den blöden Koffer gefunden und machten uns mit leicht gefüllten Rucksäcken auf nach Macao. Mit einem Super Cat (motorisierter Katameran), ist man in einer Stunde am Ziel. Viele Hotels waren ausgebucht und wir hatten erst im Fünften Erfolg und richtiges Glück. Natürlich haben wir auch eines der schwimmenden Casinos einen Besuch abgestattet, dass muss man doch mal miterlebt haben.

Der portugiesische Einfluss ist nicht zu übersehen in Macao. Nachdem wir die St Pauls’s Ruins und Monte Fort besichtigt haben, wussten wir, dass heute ganze 6°C vorhergesagt wurden. Inzwischen sind schon einige älter Menschen in Hongkong erfroren, wir wären es bestimmt auch, wenn wir nicht unsere Schlafsäcke dabeigehabt hätten. Nur wenige Klimaanlagen hier, lassen sich auch zum Heizen verwenden. Man kommt sich hier vor wie im Krieg. Überall werden Feuerwerkskracher gezündet, die echt ohrenbetäubend laut sind. Vor einem Tempel befand sich ein 1m hoher Berg abgefackelter Kracher.

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In einem Restaurant mit Live-Musik, setzte sich der Musiker zu später Stunde an unseren Tisch und wir verbrachten einen total lustigen, aber auch interessanten Abend mit ihm.

Sightseeing mit dem Doppeldeckerbus

Mit dem Super Cat ging es zurück nach Hongkong und Omi hatte sogar noch ein Zimmer für uns frei. Unseren letzten Tag in Hongkong verbrachten wir im Doppeldeckerbus entlang der türkisfarbenen Küste von Hongkong Island (Deep Water Bay, Repulse Bay bis Stanley Market). Stanley ist nur für Touris. Zurück in Central haben wir in einer richtigen Teestube Halt gemacht und wurden in die Kunst der Teezeremonie eingeführt. Ganz schön kompliziert, sich zu merken, welcher Dippen über welche Kanne gegossen wird und wann man endlich auch einen Schluck trinken darf.

Vorteil eines Nachtfluges ist, dass man wirklich einen ganzen Tag Zeit hat, sie noch was anzuschauen. Nachteil ist, dass wir um 12 mittags HK-Zeit landeten und die Uhr auf 5 Uhr in der Früh zurückstellen mussten. Somit ist man dann etwas mehr als 2 volle Tage auf den Beinen, wenn man von dem Nickerchen im Flugzeug mal absieht.

Aber es hat sich gelohnt! Nicht nur, dass wir ein anderes Land, Kultur und Leute kennenlernen konnten, es war auch eine wunderbare Erfahrung, die Unwegsamkeiten zu meistern. Die Tagestouren spontan zu planen und so lange an einem Ort verweilen zu können, wie es einem gefällt, ist einfach wunderbar. Und spätestens jetzt stand fest, dass unsere zukünftigen Urlaube nicht viel anders sein werden.

 

PS: Drei Jahre später verbrachten wir nochmal ein paar Tage, im dann nicht mehr britischen Hongkong, als Abschluß unserer China-Reise.

 

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