Dom. Republik – Reisebericht

Um etwas Erholung und neue Motivation für Jürgens Diplomarbeit zu bekommen, buchten wir kurzer Hand ein Last-Minute-Angebot in die Dominikanische Republik. So genau wussten wir nicht, wohin die Reise geht, Hauptsache weg und warm.

Tropisch feucht-warme Luft schlug uns entgegen, als wir in Puerto Plata das Flugzeug verließen. Dass wir wahrlich in einer Bananenrepublik gelandet waren, zeigte sich spätestens, als die Koffer von einem klapprigen Wagen feinsäuberlich auf ein schräge Ebene gepfeffert wurden. Nicht alle Koffer waren mit dieser Behandlung einverstanden und ergossen ihren Inhalt zu Füßen der wartenden Touristen. Mit uns wurden noch eine Handvoll andere in einen Mini-Bus geladen, der zum Glück klimatisiert war. Die Fahrt ging durch Puerto Plata und weiter in Richtung haitianische Grenze. Die Behausungen wurden immer ärmlicher, meist bestanden sie nur aus vier Pfosten und einem Wellblechdach. Da es langsam dunkel wurde, sah man in vielen Hütten die Menschen in zerschlissener Kleidung um ein kleines Feuer sitzen, Elektrizität ist hier Fehlanzeige. Um so dekadenter kam uns dann der eisgekühlte Welcome Drink in unserem All-Inclusive-Club vor, mit AirCon-gekühltem Zimmer und sonstigem Schickschnack.

Punta Rucia

Haitianische Grenze - Hotel

Bei Tageslicht betrachtet haben wir es gar nicht so schlecht getroffen, die Anlage war sehr klein und schnuckelig. Das halbe angrenzende Fischerdorf schien hier irgendwie beschäftigt zu sein und auch die benachbarten Tiere gingen hier ein und aus. Über das Essen konnte man sich wahrlich nicht beklagen – das Frühstücks-Omelett wurde individuell zubereitet, und über das Ambiente erst recht nicht – feiner weißer Strand, Palmen, türkisblaues Wasser.

Haitianische Grenze - Mangroven

Auf dem Programm stand auch schon blad eine Bootstour in die in der Nähe gelegenen Mangrovensümpfe. Einen angeblich hier heimischen Süßwasserhai haben wir zwar nicht gesehen, aber diese Mangroven sind schon recht beeindruckende Bäume mit ihren Wurzeln, die sich ins Wasser verästeln. Sehr nett war auch ein Bootstrip raus zu einer einsamen Insel, die nicht viel größer als 200qm war. Auf dem Weg dort hin konnte man durch das glasklare Wasser riesige Geweih- und Fächerkorallen sehen. An der Insel konnte man super gut Schnorcheln, nachdem man über ein Korallenriff mit vielen Fischen geschwommen war, ging es senkrecht runter und ein Grund war nicht mehr auszumachen.

Haitianische Grenze - Robinson Crusoe Feeling

Nach ein paar unerquicklichen Surfversuchen (das Material war nicht wirklich brauchbar für den Wind) und einem erfolglosen Strandausflug hoch zu Rosse (das Pferd machte alles, nur nicht das, was wir wollten), wurden wir von einem Angestellten, mit dem wir uns öfters abends an der Bar unterhalten hatten, zu einer Hochzeitsfeier eingeladen.

Auf der Hochzeitsfeier

Noch nie zuvor haben wir so eine ausgelassene Feier erlebt, wir wurden ganz herzlich begrüßt und aufgenommen. Sofort versorgte man uns mit einem Glas Cuba Libre (4/5 Rum +  1/5 Cola) und das Glas wurde auch irgendwie nie leer, bevor man sich versah, war es schon wieder gefüllt und schmeckte einfach nur toll – Bacardi übrigens schmeckt wie billiger Fusel gegen den einheimischen weichen Rum. Musiziert wurde live auf einem Waschbrett, getanzt wurde Merengue, was eigentlich gar nicht so schwer ist, wenn man sich vorstellt, man hätte ein lahmes Bein, was man hinter sich herschleppt.

Irgendwann mussten wir dann doch mal auf Toilette, die sich im Garten befand. Mit einer Kerze bewaffnet machten wir uns auf die Suche und fanden das kleine Holzhüttchen, was sich schon durch seinen Duft orten ließ. Ein waschechtes Plumpsklo, dessen Benutzung ein einmaliges Erlebnis bleiben sollte, denn ein zweites Mal hätten unsere olfaktorischen Organe das nicht mitgemacht. Ziemlich angetüdelt liefen wir am Strand zurück. Am nächsten Morgen konnten wir dem süßen Strandferkelchen nachfühlen, dass ziemlich ausgeknockt am Strand lag, nachdem es anscheinend zu reichhaltig von den kirschenartigen angegorenen Früchten gefressen hatte, die rund um einen Baum lagen. Leider gab es am Sonntagabend einen seiner Artgenossen knusprig braun gebraten. Kulinarisch gesehen lebten wir nicht schlecht – die fangfrischen Langusten im Fischerdorf waren ein Gedicht, für 12$ echt ein Witz.

Haitianische Grenze - Schlafendes Schwein am Strand

Mit dem Koch nach Santiago

Nach 5-6Tagen wurde es uns langsam langweilig, und wir konnten es uns irgendwie nicht vorstellen, noch eine weitere Woche in der Anlage zu verbringen. So fragten wir den Koch, ob er uns mit nach Santiago nehmen würde. Mit uns fuhr noch ein schwangere Angestellte, die immer nach ein paar Kurven ihr Frühstück dem Straßenrand überließ. In Santiago wurden wir an einer Autovermietung abgesetzt und nahmen uns einen Leihwagen, mit dem wir schnurstracks an die Nordküste fuhren. Hier sahen wir dann, wie Touristen in Cabrete untergebracht waren und waren echt froh, dass es uns in die Walachei verschlagen hatte. Die Resorts waren von hohen Mauern mit einbetonierten Glasscherben umgeben, bewacht wurden die Clubs von schwerbewaffnetem Personal – Luxus-Knast. Wenn man die Touri-Hochburgen hinter sich gelassen hat, umgibt einen dieser unbeschreiblich süße tropische Duft und pünktlich um 16 Uhr öffnet der Himmel seine Schleusen und wäscht die Palmen, damit sie danach im Sonnenlicht so wunderbar glitzern.

Die Halbinsel Samana

Unterwegs - Kleiner Strand

Sehr idyllisch ist die Halbinsel Samana und speziell Las Terrenas, wo wir aber leider keine Bleibe für die Nacht finden konnten. So stiegen wir in Samana-Stadt ab, was touristisch gut erschlossen ist. An die Preise muss man sich erst mal gewöhnen! In einer Pizzeria, die von einer Frau aus Alaska geführt wurde, wollten wir 2 Pizzen bestellen, sie winkte ab und meinte, dass sie uns nur eine bringen würde. Da eine Pizza nur 3,5 US$ kostete und ein Cuba Libre nur 0,6 US$, kann es wohl nicht daran gelegen haben, dass sie uns nicht zugetraut hätte, die Zeche zu bezahlen. Spätestens als sie mit einem Beistelltisch ankam und darauf dann die Pizza mit 1m Durchmesser darauf platzierte, waren wir für diesen fürsorglichen Hinweis dankbar. Die Pizza war so riesig, dass wir auch noch das abgebrannte deutsche Pärchen mit satt bekamen, das wir im Laufe des Abends kennenlernten.

Las Terrenas

Las Terrenas - Strand mit Boot

Las Terrenas - Strand mit Boot

Las Terrenas - Strand mit Boot

Besagtes deutsche Pärchen nahmen wir dann auch am nächsten Tag mit, um den Strand von Las Terrenas langzuwandern. Las Terrenas lässt echtes Karibikfeeling aufkommen. Strand so weit das Auge reicht, wie aus dem Bilderbuch: Türkisblaues Wasser, feiner weißer Sand und Palmen.

Spätestens hier wurde uns klar, warum die beiden keine Kohle mehr hatten. Die waren doch allen Ernstes dazu bereit, 10 US$ dafür zu zahlen, dass ein kleiner Junge die Palme hochklettert und ihnen eine Kokosnuss runter holt und aufmacht! Abgesehen davon, dass es unverschämt teuer ist, zerstört es auch noch die heimische Wirtschaft. Wenn Kinder in 5 min so viel verdienen, wie ihr Vater in einem Monat mit harter körperlicher Arbeit, dann kann das nicht gut sein für das soziale Gefüge. 

Vom Animateur in unserer Anlage wussten wir, wie heiß begehrt Jobs in der Tourismusbranche sind. Die Stellen werden zwar schlecht bezahlt, aber die Touristen lassen dann doch den ein oder anderen Dollar als Trinkgeld springen, besonders einsame Frauen. Und so ist es ihr Traum auf diese Weise ein Ticket nach Deutschland in ein vermeintlich besseres Leben zu bekommen.

Geldsorgen

Auch wir hatten bald Geldsorgen, da unsere Dollarbestände fast aufgebraucht waren und wir nur noch Traveller-Cheques in 50 US$-Stückelungen hatten. Das wäre ja alles kein Problem gewesen, aber die Bank war nicht fähig auch nur einen unserer Cheques einzutauschen, der Betrag war einfach zu hoch! Es blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem Pärchen zusammen abends das teuerste Restaurant zu suchen und den Chef vor die Wahl zu stellen – entweder wir können mit unserem Cheque bezahlen oder wir gehen wo anders hin zum Essen. Beim zweiten Anlauf hatten wir Erfolg und nach einem leckeren Essen noch genügend Restgeld, um unser Hotel am nächsten Tag bezahlen zu können.

Ein Platten am Morgen

Der Schock kam am nächsten Morgen, als wir zu früher Morgenstunde das Hotel verlassen wollten, und feststellen mussten, dass wir eingesperrt waren! Noch nicht einmal aus dem Fenster konnten wir springen, denn das war auch vergittert. Was passiert eigentlich mit den Gästen, wenn es nachts mal brennen sollte?! Um sieben kam dann endlich einer, der uns befreite, nur sehr weit kamen wir nicht. Unser Auto hatte einen Platten. Wir mussten heute ja noch ein paar hundert Kilometer nach Santiago zurücklegen, um rechtzeitig unseren Koch zu treffen, der uns wieder zum Resort zurückbringen sollte und hatten schon eine Stunde vergeudet, weil das Hotel zu war. Nach dem Reifenwechsel zuckelten wir zur nächsten Tanke, um zu tanken und etwas Luft in den Ersatzreifen zu bekommen. Danach hatten wir noch 10 US$ und noch kein Frühstück, aber dafür hatten wir jetzt wirklich keine Zeit mehr.

Ein Platten am Mittag

Irgendwo, fernab von jeglicher Zivilisation, fing unser Auto plötzlich an zu klappern und zu holpern. Als wir an den Straßenrand ausrollten, sahen wir die Bescherung: Wir hatten erneut einen Platten! Da wir jetzt schon einige Übung hatten, war der Wagen schnell hochgebockt und der Reifen abgemacht, aber was nun? Wie aus dem Nichts kam ein altes Ehepaar und ein jüngerer Mann aus dem Dschungel. Sie waren in Sonntagsklamotten gekleidet, aber die Kleidung war schon sehr zerschlissen. Als sie den kaputten Ersatzreifen sahen, war schnell klar, dass wir einen Reifenflicker bräuchten.

Bevor Alex noch einen dieser sinnlosen Traveller-Cheques ausstellen konnte, war Jürgen auch schon auf einem Sammeltaxi-Pickup mit dem jungen Mann und dem Reifen verschwunden. Vor Aufregung und Schrecken musste Alex sich erst mal in den Dschungel flüchten, um einen abrupt einsetzenden Durchfall mit Magenkrämpfen loszuwerden. Erst jetzt fiel auf, dass in dem Palmenhain ein paar Hütten standen und das alte Ehepaar räumte extra für Alex einen Schaukelstuhl auf die Veranda und der alte Mann holte ihr eine Kokosnuss zum Frühstück. Sehr dankbar darüber verzog sich Alex später in den Schatten einer Palme und dann wurde es schon fast peinlich: das Ehepaar zerrte eine Schaumstoffmatratze in den Schatten und eine Nachbarin kam, um Alex mit Waffenöl den Bauch zu massieren. Da lag sie nun mit ihrer Kokosnuss faul im Schatten, verwöhnt von rührend netten Leuten, als Jürgen von seinem Höllenritt schweißüberströmt zurück kam.

Las Terrenas - Strand mit Palme

Auf dem Pickup zum Reifenflicker

Da der hilfsbereite junge Mann ein Sammeltaxi angehalten hatte, wo man auf der Ladefläche mitfahren konnte, hatte Jürgen seine Müh und Not, dass weder er noch der Reifen vom Pickup fielen. Ziel der beiden war ein Gomero in der 10km entfernten Siedlung, der in einem Schuppen voll mit Reifen und Schlauchresten lebte. Fachmännisch wurde ein Fahrradschlauch in Streifen geschnitten und in das Loch auf der Lauffläche gestopft, am Ende noch die abstehenden Bürzel ein wenig zurecht geschnitten, fertig war die Reparatur.

Nachdem noch Luft in den Reifen gepumpt und die Dichtheit im nahe gelegenen Bach getestet wurde, entflammte ein Wortgefecht zwischen dem hilfsbereiten Mann und dem Reifenflicker, ob die Reparatur was taugt oder nicht. Fazit war, dass Jürgen ja wieder kommen könnte, wenn es nicht hält – sehr witzig. Im Sammeltaxi mussten sie sich von den Mitreisenden die gleiche Diskussion anhören, die meisten waren der Meinung, dass wir damit nicht weit kommen würden, die Reparatur hatte ja auch nur ein paar Cent gekostet und so sah sie auch aus.

Da der junge Mann bisher alles ausgelegt hatte, erhielt er 5 US$ und war total happy darüber, wir hätten ihm gerne mehr für seine Hilfe gegeben, denn ohne ihn wären wir aufgeschmissen gewesen. Unsere restlichen 5 US$ drückte Alex dem alten Ehepaar in die Hand. Das dankbare Leuchten in den Augen der beiden ist unvergesslich. Mit einem dicken Kloß im Hals verabschiedeten wir uns von diesen unglaublichen Menschen.

Übers Gebirge nach Santiago

An der nächsten Tanke pumpten wir noch etwas Luft nach und hofften, dass die seltsame Reparatur die nächsten 200km halten würde. Da wir jetzt kein Geld mehr für Sprit oder Essen hatten und auch die Zeit uns davon lief, entschieden wir, eine Abkürzung übers Gebirge zu nehmen. Die Straße war wunderbar neu asphaltiert und selten befahren. Jedes Gomero-Schild am Straßenrand merkten wir uns mit dem Kilometerstand, man kann ja nie wissen.

Der Fahrspaß stoppte mit einer Vollbremsung, als die tolle Straße ohne Vorwarnung vor einem drei Meter tiefen Loch endete. Da wir schon fast 50km zurückgelegt hatten, war an Umkehren nicht mehr zu denken und nach ein paar Kilometern hatten wir auch wieder unsere tolle Straße zurück. Nur leider war die Freude von kurzer Dauer, den restlichen Weg übers Gebirge mussten wir auf einer von Schlaglöchern übersäten Schotterpiste zurücklegen und zu allem Überfluss braute sich auch noch ein Gewitter in den Bergen zusammen.

Unterwegs - Junge auf einem Esel

Last-Minute

Jürgen fuhr wie ein Henker und wir schafften es letztendlich einigermaßen pünktlich, die Autovermietung wieder zu finden und ihnen das schlammverdreckte Auto zurückzubringen. Erleichtert stiegen wir beim Koch ins Fahrzeug und waren froh, dass wir es doch noch geschafft hatten, denn am nächsten Morgen sollte unser Flieger zurück gehen.

Wir werden unseren Last-Minute-Urlaub in der Dominikanischen Republik bestimmt nicht mehr vergessen. Er wäre sicher ein Albtraum geworden, wenn wir in einem dieser Touristenbunker z.B. in Cabarete gelandet wären. So war es „nett“… und wunderbar, sobald wir auf eigene Faust die wenig erschlossenen Gegenden erkundet haben. Wir haben die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich gesehen und die negativen Auswirkungen des Massentourismus erlebt. Spätestens der (zunächst unfreiwillige) Kontakt zur „normalen“ Bevölkerung und der selbstverständlichen Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, mit der sie uns begegneten, hat uns klargemacht, wie wir zukünftig reisen werden. Pauschalurlaub wird es sicher nicht mehr sein.

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