Wirklich Medan?

Ein Montag wie zu Hause: 6 Uhr Aufstehen, 6:45 Uhr Abmarsch, nur leider mit einem kläglichen Frühstück im Bauch, weil es das erst ab 7 Uhr gab. Dieses Mal waren wir viel zu früh am Flughafen, weil der Shuttlebus immer nur zur vollen Stunde fuhr. Aber egal, wir passierten die erste Sicherheitskontrolle, checkten unser Gepäck ein und gingen durch die nächste Kontrolle. Der Wartebereich vor dem Zugang zum Wartebereich der Gates sah irgendwie so gar nicht nach Flughafen aus. Die Seitenwände waren offen und boten Ausblick auf einen kleinen Park mit Mango- und Feigenbäumen und an den Decken hingen riesige Kronleuchter – strange.

Jakarta Airport - Feigenbaum

Schon wieder den Flieger verpasst?

Boardingtime war dieses Mal 9:20 Uhr, die Maschine stand schon da, die Türen zur Gangway waren offen, aber keiner stieg ein, also warteten auch wir, da der Abflug erst um 9:50 Uhr sein sollte. Als die Maschine um 9:40 Uhr abdockte überkam uns dann doch etwas die Panik – schon wieder den Flieger verpasst?! Auf der Anzeigetafel stand zwar immer noch On schedule, auf ein Boarding warteten wir vergeblich und dann war der Flug plötzlich verschwunden.

Nach einer Stunde wurden wir von der Unsicherheit erlöst und durften mit dem Flughafenbus zum Terminal 2 übers Rollfeld fahren. Captain Ugly begrüßte uns an Board der 737 auf dem Flug nach Kuala Namu (Medan). Jo, das ist noch Fliegen! Die Maschine musste sich noch voll anstrengen und brauste mit voll Speed über die Startbahn, um dann mühsam abzuheben. Der Service ist auch etwas rudimentär, aber was will man bei 75€ für 2,5h Flugzeit auch mehr erwarten, als Instantnudelsuppe, die man bezahlen darf? Wir waren jetzt auch nicht allzu traurig, dass wir geschlafen hatten, als die Stewards mit dem Trolly vorbeikam. Wobei sich der Magen doch langsam bemerkbar machte, nach dem spärlichen Frühstück.

Verkehrsinfakt in Medan

Wir mussten nochmal schnell am Flughafen einen Geldautomaten plündern, da das Geld schon wieder aufgebraucht war. Die ganze Panik, dass nur die MasterCard akzeptiert wird, war bisher unbegründet. Vom Flughafen geht wohl eine Schnellbahn in die Stadt, die aber mit 100.000 IDR pro Nase recht teuer ist. Also quetschten wir uns wieder in ein Taxi und fuhren zum Citi International Palang Hotel, was ziemlich zentral in der Stadt liegt. Die Fahrt in die City war gelinde gesagt fürchtlich, da wir fast ausschließlich im Stau standen, wenn wir nicht gerade auf einer kostenpflichten Straße unterwegs waren. Die Klimaanlage schaffte es auch nicht mehr eine erträgliche Temperatur herzustellen und um uns rum nur runtergekomme Häuser, Abgase, Motorroller und endlose Autoschlangen. So gesehen waren wir jetzt auch nicht mehr all zu sehr traurig, dass wir nur noch eine Nacht in Medan hatten. Nach 1,5h waren wir endlich am Hotel angekommen.

Wir können auch stur sein!

Als uns die Dame an der Rezeption fragte, ob wir lieber zwei King Sized Beds oder jeweils zwei Einzelbetten haben wollten, starrten wir sie entgeistert an, da wir explizit 5 Betten bei hotels.com gebucht hatten. Sie hatte nur ein Buchung von 2 Zimmern von Expedia übermittelt bekommen, unsere schriftliche Anmerkung dass ein Zimmer ein drittes Bett haben muss wurde ebenso übersehen. Sie wollte uns allen Ernstes ein Extrabett berechnen, mal abgesehen davon, dass sie 45€ schon für den Vortag eingestrichen haben, ohne eine Gegenleistung dafür stellen zu müssen. Aber wir konnten genauso stur sein, wie sie und zeigten ihr auf der Website, dass wir für 5 Personen gebucht hatten und ihr Hotel gar nicht hätte bei zwei Zimmern mit 5 Personen in den Suchergebnissen hätte landen dürfen.

Um es kurz zu machen, das Ganze zog sich noch fast eine Stunde hin, begleitet von x Telefonaten, brachte man dann doch eine extra Matraze für lau in eines der Zimmer. Die Zimmer waren auch keinen Cent mehr Wert, zwar sauber aber in den Gängen überall Stockflecken und die Wände könnten auch mal wieder einen Putzlappen sehen. Also nichts wo man sich länger als notwendig aufhalten möchte.

Merdeka Walk

Halb verhungert erreichten wir den Merdeka Walk, eine Straße mit riesigen alten Bäumen und großen alten holländischen Prachtbauten. In einem Fußballfeld großem Areal joggten Menschen bei der Hitze langsam im Kreis und andere spielten barfuß Fußball. Eingefasst wurde das Ganze am Rande mit einer Zeile von ca. 20 Restaurants. Sieht man mal davon ab, dass das, was wir ausgesucht hatten, letztendlich völlig überteuert war, war es auch noch schlecht, so dass wir unseren Hunger nicht wirklich stillen konnten.

Parallelwelt

Schon von weiten witterte Svenja Shopping Center und so schauten wir uns mal eines an, um uns etwas runter zu kühlen und den Kreislauf wieder zu stabilisieren. Das Einkausparadies hätte überall auf der Welt stehen können. Über 6 Etagen westliche und asiatische Labels, auch H&M ist hier vertreten.

Irgendwie passt hier die Welt nicht mehr zusammen, auf der einen Seite arm und runtergekommen, gerade noch so viel zu haben, um leben zu können und auf der anderen Seite fette Luxuskarossen und teuren Lebensstil. Hier entwickelt sich gerade eine Parallelgesellschaft für einige wenige und der Großteil bleibt auf der Strecke.

Im Anschluss versuchten wir unser Glück noch mal beim Merdeka Walk, waren aber nicht wirklich erfolgreicher als zuvor, wurden dafür aber von allen Seiten mit Splatterfilmen zugedröhnt. Ausnahmsweise gab es sogar mal ein Bier auf der Speisekarte. Das einheimische Pils heißt Bintang und lässt sich trinken. Auch die Kids kamen auf ihre Kosten, da sie so etwas wie eine fahrbare Hollywoodschaukel gefunden hatten, mit der man im Kreis rumheizen und sich drehen konnte.

Dank Navi fanden wir auch unser Hotel wieder, bei teilweise schlechter Straßenbeleuchtung muss man schon schauen, wo man hintritt, denn die Betonplatten auf den Gehwegen sind oft eingebrochen und man würde den Abgang in das darunterliegende Kanalisationsystem machen, wenn man es übersieht.

Religionskonflikte?

Ansonsten fühlten wir uns sowohl in Jakarta als auch in Medan absolut sicher. Die Menschen sind nett, hilfsbereit und offen. Westliche Menschen haben wir bisher kaum welche gesehen, wahrscheinlich sind wir schon deshalb eine Kuriosität hier. Dem Aussehen und der Kleidung nach zu urteilen, leben hier viele verschiedene Volksstämme und Religionen zusammen. Anfeidungen untereinander sind von uns nicht wahrnehmbar, wenn man bedenkt, dass es vor nicht allzu langer Zeit hier ganz anders aussah.

Nachdem sich Indonesien von der holländisch Herrschaft befreite, kamen viele Jahre der Militärdiktatur mit Aufständen und Unruhen an vielen Ecken des riesigen Inselreiches, die meist recht blutig endeten. Auch religösbedingte Kriege waren keine Seltenheit in der Vergangenheit. Erst ab 2000 gab es die erste gewählte demokratische Regierung. Seit dem stabilisiert sich das Land wirtschaftlich. Bei 250 Mio. Einwohnern mit 742 verschiedenen Sprachen und Dialekten und über 17.000 Inseln schon erstaunlich. Über 213 Mio. Moslems leben hier, der Rest sind Christen (19 Mio.), Hindus (14 Mio.) und Buddhisten (2 Mio.).

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