Peru – Reisebericht

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Peru-Reisebericht

New York im Schnelldurchlauf

Wer gerne cafégetränkte Decken, kaputte Toiletten und Flugzeugtüren mag, der sollte einen Flug mit Continental Airlines nach New York buchen.

Bei warmen 17°C nutzten wir die Gelegenheit, für dreieinhalb Stunden mal kurz New York zu erkunden. Madison Square Garden, Empire State Building, 5th Avenue, Broadway und Times Square – unglaublich in welch kurzer Zeit man auf die wohlbekannten Namen trifft. Aber alles laut, hektisch und viel Gehupe und Gedrängel. Die alten Wolkenkratzer sind beeindruckend – die Preise für eine Dose Bier (7,6$) auch.

New York
New York
New York
New York
New York

Cusco – It’s possible!

Der Flughafen in Lima entspricht dem Standard einer Bananenrepublik, für uns ging es aber gleich weiter quer über die Anden nach Cusco (3350 m). Trotz Müdigkeit hatten wir noch eine siebenstündige Tour durch die Stadt gemacht. Cusco ist sehr sehenswert – viele alte Häuser im Kolonialstil mit geschnitzten Balkonen, faszinierende Inkamauern, eine schöne Kathedrale, Märkte und viel Trubel. Wenn man nicht aufpasst, dann putzten die unzähligen Schuhputzer einem gleich die Trekking-Sandalen – It’s possible! Das hörten wir mehrfach von ihnen.

Die ungewohnte Höhe war deutlich spürbar. Ein kleiner Hügel bergauf, schon pfiff man aus dem letzten Loch und der Kopf fing an zu hämmern.

Cusco
Cusco
Cusco
Cusco

Eisenbahnstreik in Cusco

Nachdem uns mehrere Peruaner warnten weiter hinter den Markt zu gehen, sahen wir ein, dass wir diese Ecke von Cusco wohl meiden sollten.

Da wir ja mit dem Zug in Richtung Machu Picchu fahren wollten, kam uns der Streik der Eisenbahner etwas ungelegen. Den hilflosen Touris bot man ein Touri-Bus-Bahnticket zum Machu Picchu für 50 $ an, wir suchten lieber nach einer Busstation. Zusammen mit einem älteren deutschen Pärchen, die etwas besser Spanisch sprachen, wurden wir in einem staubigen Hinterhof fündig und konnten die Abfahrszeiten in Erfahrung bringen.

Cusco
Cusco

Das Essen in den eher einheimischen Restaurants ist gewöhnungsbedürftig, aber schmackhaft mit schönem Ambiente. Der Maté de Coca hilft nicht nur wunderbar gegen Jetlag, sondern auch gegen Kopfschmerzen. Bei peruanischer Live-Musik und Cusquena-Bier verbrachten wir mit ein paar Schweizern und Deutschen einen netten Abend.

Cusco
Cusco

Inkaruinen in Ollantaytambo

Da wir sehr früh auf den Beinen waren, konnten wir noch zwei der begehrten Sitzplätze ergattern. Der Bus verließ den Hinterhof, als er bis zum letzten Quadratzentimeter gefüllt war. Wir machten eine wunderschöne Tour durch die Anden, an selbstgebackenen Adobe-Häuschen vorbei. Nach dem problemlosen Buswechsel in Urubamba, gelangten wir nach Ollantaytambo.

Da ja immer noch gestreikt wurde, hatten wir ausgiebig Zeit, die sehenswerten Inkaruinen in den Bergen zu erkunden. Sie liegen am Eingang des Sacred Valley. Weil wir nur noch auf 2800 m waren, war der Aufstieg nicht so qualvoll. Er war aber anscheinend abschreckend genug, weil wir mutterseelenallein durch die alte Verteidigungsanlagen wandern konnten. Keine Ahnung, wie die diese riesigen Quader hierher schaffen konnten.

Ollantaytambo
Ollantaytambo
Ollantaytambo

Es was skeptisch,  schauten nachmittags zum Bahnhof, da der Zug mañana wieder fahren sollte. Aus Cusco wussten wir aber, dass mañana später, morgen oder in ein paar Tagen heißen konnte. Der Schalter öffnete tatsächlich und eine ‘Offizielle’ drängelte sich vor. Mit einem Schlag sind 60 Tickets weg, die hier alle noch per Hand ausgefüllt werden. Aber es waren noch ein paar Plätze übrig, so dass auch endlich endlich das langersehnte Ticket nach Aquas Calientes in der Tasche hatten.

Witzigerweise war das ältere Pärchen aus Cusco auch in unserem Hotel abgestiegen. Die Welt ist klein! In der einzigen Pizzeria, die alles nur keine Pizza hatte,  verbrachten wir den Abend.

Ollantaytambo
Ollantaytambo
Ollantaytambo
Ollantaytambo

Mystischer Machu Picchu

Ein Stunde vor Zugabfahrt sollten wir am Bahnhof sein. Rick vom South American Explorer Club erklärte uns, dass in der Hochsaison 10 Mal so viele Leute hier Rumdrängeln. Völlig unverständlicherweise, weil die Plätze nummeriert sind. Die schaukelnde Zugfahrt durch ein tolles Tal entlang eines reißenden Flusses wechselt erstaunlich schnell die Vegetationszonen. Savannenartige Landschaft mit Kakteen und kurze Zeit später tieferster Regenwald.

Der Zug hält auch zwischendurch mal, damit der Zugführer telefonieren kann, evtl. um sich über entgegenkommende Züge zu informieren. Kann ja nicht schaden bei Eingleisbetrieb. Eigentlich wäre es nett gewesen, den Inka-Trail zu laufen, aber nach den sinnflutartigen Regenfällen, hatte man uns davon abgeraten. Außerdem hätte man dann etwas mehr Zeit zur Akklimatisierung gebraucht.

Zufahrt nach Aquas Calientes
Zufahrt nach Aquas Calientes
Zufahrt nach Aquas Calientes

In Aquas Calientes war die Hölle los. So schauten wir, dass wir schnell ein Busticket zum Machu Picchu (2430 m) bekamen. Um die 700 Höhenmeter selbst aufzusteigen, hatten wir leider keine Zeit und nahmen einen Bus hoch zu der sagenumwobenen Ruinenstadt.

Wunderbare mystische Stimmung in Machu Picchu

Kein Wunder dass Machu Picchu so lange unentdeckt geblieben ist! Wie aus dem Nichts tauchte es hinter einer Kurve aus den Wolken aus. Mit Worten lässt sich dieser Ort nicht wirklich beschreiben. Ein Großteil macht die Stimmung aus: Der Regenwald, die fast senkrecht abfallenden Felswände, die Terrassen und Gebäude und das Wolkenspiel. Man fühlt sich wie im Traum, wenn man von höhergelegener Stelle auf die Anlage runterschaut. Im nächsten Augenblick verschwindet alles wieder in den Wolken.

Es ist unglaublich, wie die Inkas die Steine mit so einer Präzession aneinander passen konnten. Für jedes Fleckchen, und wenn es noch so steil war, wurde in Terrassen angelegt, um Getreide oder Gemüse anzubauen. Eine kleine Stadt, autark und verwunschen auf der Spitze eines Berges.

Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu

Machu Picchu
Mit Zug und Bus ging es noch am gleichen Tag zurück. Unsere fotogene Busnachbarin betörte uns mit überwältigendem Ziegenstall-Odor. Wir waren froh wieder die frische Höhenluft von Cusco um die Nase geweht zu bekommen. Auch waren wir erleichert, dass unsere Rucksäcke noch vollständig auf uns im Hotel warteten.

Zugfahrt zum Titicaca-See

Mitten in der Nacht (5:50 Uhr) mussten wir aufstehen und zum Wanchaq Bahnhof fahren, von wo aus PeruRail die Strecke Cusco-Puno bediente. Ein Touri-Ticket zu bekommen war einfach, die Holzklasse ist aber den Einheimischen vorbehalten. Mit einer Messingglocke wird die Abfahrt eingeläutet und der baufällige Zug setzt sich mit viel schwarzem Qual quer durch die Stadt in Bewegung.

Sauerstoffmangel bei der Zugfahrt

Hier ist Zugfahren noch ein Erlebnis, denn wenn man in einen anderen Wagon möchte, dann muss man über die ungeschützten Kupplungen springen. Die 10 1/2 stündige Fahrt geht die ersten Stunden durch abwechslungsreiche Andentäler und mündet später in eine Hochebene. Auf einer Höhe von 4400 m wird die Luft manchmal sehr dünn und man dämmert einfach weg. Ein kilometerlanger Schilfgürtel kündigt nach Juliaca den Titicaca-See an.

Puno ist eine wenig attraktive Stadt mit vielen Menschen und hupenden Autos.

Zugfahrt Titicaca
ZugfahrtTiticaca(2)
Zugfahrt Titicaca

Auf den schwabeligen Floating Islands

Auf dem Markt spuckte jemand Jürgen in den Nacken. Wenn man nicht darauf reagiert, dann hat man eine gute Chance mit vollständigen Wertsachen den Ort wieder zu verlassen. Die vielen aufgeschlitzten Hosen und Rucksäcke der anderen Backpacker, die notdürftig getapet wurden, sind uns eine Warnung. Man hat uns noch nie beraubt und wir sind sehr glücklich darüber. Denn das ist eine Erfahrung, auf die wir gerne verzichten können.

Wir besuchen die Floating Islands von Uros: Eine Ansammlung von Souvenir-Buden auf einem Schilfbett. Ich spiele auf diesem leicht federnden Untergrund mit einem Jungen Fußball. Nach wenigen Minuten ging mir die Puste aus – die extreme Höhe macht sich schnell bemerkbar. Früher sind die Insulaner mit Schilfbooten auf die Reise gegangen, heutzutage gibt es Solarpanels auf den einfachen Hütten.

Titicaca See
Titicaca See
Titicaca See
Titicaca See

Isla Taquile von Puno aus

Nach einer vierstündiger Bootsfahrt von Puno über den Titicaca-See, erreichten wir die Isla Taquile. Einige verzichteten darauf bei der Mittagshitze, die 500 Stufen auf 3986 m zu erklimmen.

Außer Atem erreichten wir das Dorf auf dem Berg. Hier schien die Zeit still zu stehen. Es war nicht ganz ersichtlich, ob die Insulaner sehr traditionell waren oder nur für die Touris ihre traditionelle Kleidung trugen. Die in Schwarz/Weiß/Pink gekleideten Männer mit Buchbinde, Weste und lustiger Sonnenschutzmütze, strickten. Die Schwarz/Pink verhüllten Frauen sponnen.

Titicaca See
Titicaca See
Titicaca See
Titicaca See

Auf Segelschiffen wird hier alles transportiert, auch zwei seekranke Kühe. Die leuchten grüne Algenschicht auf dem See bildete einen krassen Kontrast.

Titicaca See
Titicaca See

Eigentlich wollten wir ja mal das Nationalgericht Cuy probieren, aber als auf einem silbernen Tablett ein Meerschweinchen mit aufgerissenem Maul und ausgefahrenen Krallen vorbeigetragen wurde, entschied sich Jürgen spontan für ein leckeres artenschutzgefährdetes Alpakasteak.

Zu Fuß über die Grenze von Peru nach Ecuador

Hier geht es zum Anfang des Peru-Reiseberichts…

Pünktlich um 6 Uhr morgens klingelte das Taxi. Geschickt timte der Fahrer, dass wir den billigen Minibus zum Flughafen verpassten. Von Juliaca nach Cusco lief es problemlos, aber wegen ‘heavy traffic’ starteten wir verspätet. Es ist noch ein Flugzeug vor uns und das Wetter kann in den Anden schnell kippen.

In Lima hatten wir nur 30 min, um unser Gepäck zu finden, neu einzuchecken, Depature-Tax zu zahlen und Geld zu holen. Aber es klappte wunderbar und wir landeten in Tumbes – Nähe der ecuadorianischen Grenze. Das Gepäck wird auf einen Tisch geworfen und sofort wird man von Moneychangern bedrängt. Zum Glück wusste Koos, unser neuer holländischer Freund, den ungefähren Wechselkurs und so wollten wir ein paar Dollar tauschen, um Gebühren bezahlen zu können. Hier ist man gut dran, wenn man Kopfrechnen kann: der Geldwechsler rechnete uns den zu tauschenden Betrag auf dem Taschenrechner aus und als wir stutzig wurden, sollten wir es auch selbst mit dem Taschenrechner nachrechnen. Der Taschenrechner war aber manipuliert und es kam immer ein deutlich falsches Ergebnis – natürlich zu unseren Ungunsten – heraus. Wir rechneten im Kopf das richtige Ergebnis aus und tauschten erstmal nur 20 $ in ecuadorianische Währung. Hin und wieder bekommt man nämlich auch mal Falschgeld untergejubelt und unser Vertrauen in den Geldwechsler war begrenzt.

In Huaquillas über die Grenze nach Ecuador

Mit einem alten Ford Mustang fuhren wir zusammen nach Aquas Verdes, wo wir die 3 Stationen für die Ausreiseformalitäten hinter uns brachten. Anschließend brachte uns das Taxi in das verdreckte Rattennest Huaquillas. Nach einem kurzen Fußmarsch durch die matschigen Straßen erreichten wir die Brücke nach Ecuador. Ein kleiner Peruaner wollte uns in die falsche Richtung schleusen. Nicht selten werden hier Traveller ausgeraubt, deswegen machten wir uns lieber auf eigene Faust auf die Suche. Logischerweise haben wir hier unsere Kamera nicht rausgeholt, das war uns wirklich zu heikel.

Nach einer weiteren 4 km langen Taxifahrt, fanden wir das Immigration-Office und durften uns nun offiziell in Ecuador aufhalten. Natürlich könnte man auch ohne die Immigration in das Land einreisen, schon allein, weil das Büro nur schwer zu finden ist. Aber davor kann man nur warnen: in regelmäßigen Abständen wird jeder Bus angehalten und alle Ausländer müssen aussteigen, sich registrieren lassen und ihre Pässe vorzeigen, wo die Stempel genauestens kontrolliert werden.

Bedingte Freundlichkeit in Machala

In Peru herrschten die Slums vor. Aber hier in Machala geht es richtig zivilisiert zu. Die Freundlichkeit lässt aber echt zu wünschen übrig: Auf die Frage nach dem Busterminal, ignorierten uns die Leute einfach. Aber irgendwann stolperten wir drüber.

Der Bus nach Cuenca sollte 4 1/2 Stunden brauchen. Wir nahmen die Sitze in der ersten Reihe, damit wir etwas von der Landschaft mitbekommen. Hätten wir das doch mal besser gelassen! Die Strecke führte über erschreckend schlechte Straßen durch die Anden. Direkt neben steilen Abgründen ohne jede Absicherung und unser Fahrer schaffte die Strecke in halsbrecherischen 3 1/2 Stunden. Dennoch war es finstere Nacht, als wir unser Hotel am Marktplatz erreichten. Um 23 Uhr ist die Stadt wie ausgestorben.

Hier geht es weiter mit dem Ecuador-Reisebericht…

4 Kommentare

  1. Monika und Petar Fuchs

    Hallo Alexandra,

    Peru steht schon sehr lange auf unserer Reisewunschliste. Geschafft haben wir es bisher noch nicht. Allerdings ist dort an den Hauptsehenswürdigkeiten schon sehr viel Betrieb, oder? Wenn ich mir Deine Fotos von den Zügen so ansehe … und Puna ist ja offenbar auch nicht so spannend.

    Liebe Grüße,
    Monika

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    • AlexSefrin

      Hallo Monika,
      die Zugfahrt von Cusco nach Puno fanden wir landschaftlich sehr schön, auch wenn uns die Luft manchmal sehr knapp wurde. Puno selbst war jetzt nicht so das Highlight, dafür aber die Bootsfahrt auf dem Titicaca-See.
      Inzwischen sind die Züge in Richtung Machu Picchu und Puno um einiges nobler geworden. Auch die Preise wurden kräftig angehoben. Durch den Streik hatten wir absolutes Glück gehabt und hatten Machu Picchu nahezu ohne Touristen.
      Liebe Grüße

      Alex

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  2. Tina

    Was für eine tolle Reise mit einmaligen und unvergesslichen Eindrücken! Ich werde diesem Teil der Welt mit Sicherheit in naher Zukunft auch mal einen Besuch abstatten

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    • AlexSefrin

      Liebe Tina,
      Peru ist bestimmt eine Reise wert, auch wenn die Preise in letzter Zeit sehr stark angezogen haben, sind es immer noch unvergessliche Eindrücke, die man dort gewinnen kann.
      Liebe Grüße

      Alex

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