Obwohl unsere Matratze riesige Sprungfedern hatte und man Angst haben musste, wieder aus dem Bett katapultiert zu werden, hatten wir ziemlich gut geschlafen. Das Frühstück war für europäische Mägen erstmal gewöhnungsbedürftig: in Chilli eingelegte Eier mit Bohnen und Reis oder fettig rausgebratenes Gebäck, was sogar runterzubekommen war. Beim Kaffee herrscht hier aber das gleiche traurige Bild, wie schon in Südamerika: Nescafe, wo man nur hinschaut. Da wachsen die besten Kaffeesorten der Welt vor der Tür und die Leute trinken die Instantbrühe eines Weltkonzerns, weil es bequemer oder billiger ist.

Eine seltsam Begegnung hatten wir in der Lobby. Wir wurden von einer Frau angesprochen, die indonesischer Abstammung war und in England lebte. Die fragte uns, warum wir Deutschen so blöd seinen und die ganzen Flüchtlinge in unser Land ließen. Wir könnten doch sehen, wohin das führt –  die ganzen Anschläge in Paris und so. Da fehlen einem echt die Worte, selber Immigrant, aber über andere urteilen. Als wir versucht haben, ihr zu erklären, dass gerade in unserer Stadt die Flüchtlinge sehr gut integriert sind und die Kinder teilweise schon nach drei Monaten fließend Deutsch sprachen, wollte sie uns nicht glauben. Auch dass gerade diese Menschen vor der IS auf der Flucht sind und teilweise gut gebildet sind, wollte sie nicht hören. Bevor wir das ausdiskutieren konnten, kam unser Taxi.

Das Amplas Busterminal

Eine 45min Fahrt mit dem Blue Bird Taxi brachte uns zum Amplas Busterminal, was im südosten der Stadt auf halben Weg zum Flughafen liegt. Unser Fahrer sprach zwar kein Englisch, hatte aber verstanden, dass wir nach Parapat zum Toba-See wollten und nahm sich unserer Sache an. Nach einigem Gesuche übergab er uns einem englischsprechenden Ticketverkäufer einer Busgesellschaft. Kiaras Kreislauf war noch nicht so ganz auf der Höhe, kein Wunder bei der Hitze.

Wir hatten die Wahl zwischen einem Auto mit Fahrer für 600.000 IDR (42€) oder dem Bus für insgesamt 200.000 IDR (14€). Da Busfahren im Allgemeinen recht lustig ist, weil man mehr von Land und Leuten mitbekommt, entschieden wir uns für den Bus. Der sich inzwischen schon gefüllt hatte.

Eine unvergessliche Fahrt mit dem Bus

Wir überlegten, wie wir uns auf die zweier und dreier Bänke quetschen sollten, zumal die Sitzabstände so knapp waren, das Jürgen seine langen Gräten nicht so richtig unterbringen konnte. Da bekam er auch schon den Platz direkt neben dem Fahrer angeboten. So hatte er ungehinderten Blick durch die teilweise zersplitterte Windschutzscheibe, die zwei große Einschlaglöcher aufwies.

Busfahrt - kaputte Scheibe

Eine echt ätzende Unart hier ist, dass die Leute immer und überall rauchen, auch im vorderen Teil des Buses, wo wir saßen. Von der “natural Aircon” war rein gar nichts zu verspüren, da bei den langsamen Geschwindigkeiten durch den Stau aus Medan raus nicht wirklich Abkühlung durch den Fahrtwind durch die Fenster reinkam. Dafür gab es immer wieder kleine Adrenalinschübe, wenn der Fahrer trotz Gegenverkehrs zu einem gewagten Überholmanöver ansetzte. Aber hier hat immer der Vorfahrt, der dicker ist und die lauteste Hupe hatte, von der heftig Gebrauch gemacht wird. Wenn es mal nicht ganz gereicht hätte, so bremste der Gegenverkehr runter, so dass wir uns gerade noch in die Schlage zurück quetschen konnten.

Busfaht - von Medan nach Parapat

Die ersten 3h drängte sich öfters der Gedanke an die Oberfläche, ob es nicht doch sinnvoller gewesen wäre, das angebotene Auto zu nehmen. Aber dann ließ der Verkehr nach und der Bus donnerte teilweise mit 100 km/h über die Landstraße, was uns auch den benötigten Fahrtwind brachte. Die letzten 2h waren dann sehr angenehm, mal abgesehen von den Überholmanövern, denn wir erklommen immer höhere Regionen und es wurde merklich kühler. An der steilen Passstraße runter zum Toba-See saßen öfters Affenfamilien und warteten anscheinend darauf, ein paar Früchte zugeworfen zu bekommen. Der Bus fuhr uns in Parapat direkt zur Anlegestelle und das Boot legte unmittelbar darauf ab.

Der Toba-See ist ein Vulkankrater

Landschaflich ist auf jeden Fall sehr nett hier am Toba-See, da auch die Temperaturen so um die 25°C liegen, ist es wohl temperiert. Der See ist mit 31 km nicht sehr breit, aber dafür mit 87 km sehr lang. Er ist vor 75.000 Jahren bei einem Supervulkanausbruch entstanden, dabei ist wohl die komplette spätere Seefläche eingebrochen. Teilweise hat der See eine Tiefe von 525 m und schillert im dunkelen türkisblau. Bei späteren Eruptionen entstand dann die Halbinsel Samosir und an dessen einer Ecke nochmal eine winzige Halbinsel Tuk-tuk. Eben diese sollte Ziel unserer Reise werden.

Toba-See - Schifffahrt

Das Boot legt im Hafen an, bevor es dann die Küste der Halbinsel Tuk-tuk abfährt und immer dann anhält, wenn jemand aussteigen möchte. Wie stiegen im Hafen aus, weil dort auch unsere erste Wahl der Unterkunft angesiedelt war. Leider waren keine Räumlichkeiten mehr frei, die uns zugesagt hätten. Eine nette Frau bot uns an, unsere Rucksäcke und Kinder bei ihr abzustellen, brachte Jürgen einen Motorroller und schon fuhren wir gemeinsam über die Halbinsel. Sie brachte uns zu verschiedenen Bungalowanlagen und am Ende hatten wir die Qual der Wahl. Unser Ziel war es, eines der schnuckeligen Batak-Häuser zu mieten. Das sind Holzhäuser, die mit reichlich geschnitzen und bemalten Giebeln, nicht nur sehr ansehlich, sondern auch luftig sind.

Carolina Cottages - Batak-Haus

Letztendlich entschieden wir uns für das Carolina Cottages, da es neben den schönen Batak-Häusern auch noch ein ordentliches Restaurant und ein schönes Anlage zum Schwimmen und Chillen hatte. Die erste Nacht verbrachten wir in zwei Häuschen, die am Hang gebaut waren und eine sehr schöne Veranda hatten. Danach konnten wir in zwei Häuser umziehen, wo wir direkt von unserer Terrasse auf den See schauen konnten. Obwohl hier alles sehr gepflegt und picco bello ist, muss man weniger als 15 € pro Haus dafür berappen. Ok, wir hatten kein heißes Wasser in unserer Dusche, aber das stört jetzt nicht wirklich.

Carolina Cottages - Unsere bescheidene Unterkunft

Der Volksstamm der Batak

Die Batak, die das Gebiet rund um den Toba-See schon seit über 6.000 Jahren besiedeln, galten früher als Menschenfresser, weshalb man sie wohl auch in Ruhe ließ. Sie haben hier ihre eigene Hochkultur entwickelt und waren nahezu isoliert. 1864 begann die christliche Missonierung, was zur Folge hatte, dass es nun sehr viele Protestanten und auch Katholiken gibt. Moscheen haben wir keine gesehen, aber dafür an jeder Ecke eine christliche Kirche. Dass die Batak sehr musikalisch sind, konnten wir auch bald feststellen. Sehr melodisch und herzergreifend singen sie zur Gitarre.

Toba-See