Babygräber von Kambira

Da wir Dank des Nachtbusses fast noch einen ganzen Tag in Rantepao hatten, packten wir nach dem Frühstück unsere sieben Sachen und deponierten sie im Büro unseres Wirts. Entlang der Hauptstraße gingen wir wieder auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz. Wir mussten zum Glück gar nicht so lange suchen und konnten einen Fahrer finden, der uns den Nachmittag über zu den Königsgräbern von Suaya und den Grabhöhlen von Tampangallo bringen sollte.

Babygräber von Kambira

Obwohl wir eigentlich gar nicht an den Babygräbern von Kambira interessiert waren, nötigte uns der Fahrer dorthin zu fahren. Da sie eh auf dem Weg nach Suaya lagen, sprach auch nicht wirklich was dagegen. Ein paar Kilometer vor Makale biegt man links ein auf eine Seitenstraße. Nach wenigen Kilometern wurde sie immer schmäler und als wir dann nochmal in Richtung Süden abbogen, passte gerade noch unser Auto drauf. 

In Kambira fand gerade eine traditionelle Hochzeitszeremonie statt, so dass niemand an unserem Eintrittsgeld interessiert war. Das kleine Toraja-Dorf war festlich geschmückt und man sah deutlich den Unterschied des Standes. Die etwas niedergestellten Einwohner des Dorfes saßen mehr Abseits mit Bastmatten am Boden, die wohlhabenderen unter den Tongkonans.

Im kleinen Bambuswald befand sich der Babygrabbaum (baby grave tree oder Liang Pia). Wenn ein Kind noch als Säugling verstirbt und noch keine Zähne hat, dann begraben die Toraja ihn in speziellen sehr harzreichen Bäumen. Jeder Säugling erhält dort eine kleine Höhle, die mit einer kleinen Abdeckung aus Naturfasern verschlossen wird und nach einigen Jahren ist das Loch dann wieder zugewachsen. Das Harz der Bäume soll die Säuglinge nähren und sie sollen zusammen mit dem Baum wachsen. Eigentlich ein sehr schöner Brauch und ein tröstlicher Gedanke. Leider geraten diese Bräuche auch hier langsam in Vergessenheit, da viele Torajas in die Städte ziehen. 

Babygrabbäume von Kambira

Babygräber von Kambira

10 Responses to Babygräber von Kambira

  1. Daniela 28. Januar 2018 at 20:17 #

    Liebe Alex,

    interessant, habe ich auch nie davon gehört. Finde ich auch ein wenig gruselig. Aber andere Länder, andere Sitten. 😉

    Danke fürs Mitnehmen. 🙂

    LG Daniela

    • AlexSefrin 28. Januar 2018 at 22:40 #

      Liebe Daniela,
      am Anfang fanden wir die Vorstellung auch gruselig, bis wir es gesehen haben und ein paar wenige Hintergrundinformationen dazu hatten, fanden wir die Vorstellung aber auch irgendwie schön.
      Liebe Grüße

      Alex

  2. Diana 26. Januar 2018 at 9:16 #

    Hallo Alex,
    wieder eine ganz spannende Information. Von solchen Baby Grave Trees hatte ich vorher noch nie gehört.
    Viele Grüße
    Diana

    • AlexSefrin 28. Januar 2018 at 22:37 #

      Liebe Diana,
      wir haben auch zuvor noch nie etwas davon gehört und wären jetzt auch nicht extra hingefahren deswegen. Aber da wir eh da vorbei gekommen sind, haben wir sie uns auch angeschaut und das Wenige, was man darüber in Erfahrung bringen kann, niedergeschrieben.
      Liebe Grüße

      Alex

  3. Susanne 25. Januar 2018 at 15:05 #

    Es gibt Sachen… Ich habe noch nie etwas von den Bäumen oder dem Brauch gehört. Es schien eurem Fahrer aber wichtig zu sein (oder er wollte nur mehr Geld für die Fahrt kassieren), sonst hätte er euch nicht darauf gedrängt dort hin zu fahren.
    Manchmal sind solche Tipps ja echt klasse.

    Lieben Gruß, Susanne

    • AlexSefrin 25. Januar 2018 at 18:53 #

      Liebe Susanne,
      ich glaube ihm war es echt wichtig, dass wir den Baby Crave Tree sehen. Es war ein ganz normaler Taxifahrer und wir hatten einen Festpreis zuvor ausgehandelt. Er hat uns danach noch zu zwei Grabstätten gebracht, die er selbst noch nicht kannte und war ganz begeistert. Hinterher hat er uns von sich aus, noch zur größten Christus-Statue der Welt gefahren, von der wir noch nicht einmal wussten, dass sie in Makale steht.
      So gesehen hatte er wohl seinen Spaß mit uns und wir haben so viel mehr von der Gegend gesehen.
      Liebe Grüße

      Alex

  4. Simone 24. Januar 2018 at 14:21 #

    Hallo,
    Krasse Tradition…fast ein wenig gruselig. Was passiert denn jetzt nachdem der Baum abgestorben ist? Ist dieser Brauch nur in Kambira zu finden?
    Vg Simone

    • AlexSefrin 24. Januar 2018 at 18:34 #

      Hallo Simone,
      diese Tradition der Torajas wird heutzutage wohl nicht mehr aktiv praktiziert. Es gibt noch ein paar weitere dieser Babygrabbäume im Toraja-Hochland.
      Ich denke, dass die Seelen den Übertritt ins Jenseits geschafft haben, bevor der Baum abgestorben ist.
      Liebe Grüße

      Alex

  5. Mario 24. Januar 2018 at 10:08 #

    Hallo Alexandra,

    kurz und knapp der Artikel. Schade, hatte jetzt irgendwie mehr Infos erwartet zu etwas, von dem ich noch nie etwas gehört habe.

    Gruss Mario

    • AlexSefrin 24. Januar 2018 at 18:26 #

      Hallo Mario,
      zu den Babygräbern gibt es leider nicht mehr Informationen, selbst im Loose steht weniger drin, als ich geschrieben habe. Der Brauch der Torajas wir anscheinend auch nicht mehr praktiziert.
      Viele Grüße

      Alex

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