
Von Cayo Coco bis in die Provinzhauptstadt Holguín ohne Wasser zu fahren, ist ein unschöner Nebeneffekt der Mangelwirtschaft in Kuba, den wir erleben mussten.
Unsere 2. Etappe (400 km / 6 Stunden).
Benzin, aber kein Wasser
Nach dem wir Cayo Coco hinter uns gelassen hatten, konnten wir anstandslos bei der für Touris ausgewiesenen Tanke 10 Liter tanken. Was aber nicht ging, war ein paar Flaschen Wasser zu kaufen. Es gab welche, aber warum ich sie nicht kaufen konnte, hat sich mir nicht erschlossen. Entweder war mein Geld zu wenig oder sie wollte eine Kreditkarte, ich habe es einfach nicht verstanden.
Die Landschaft war saftig grün und 10 m vom Straßenrand standen überall große Bäume, mal blühten sie orangerot, mal gelb. Die Straßenqualität war durchwachsen, immer wieder gab es große Schlaglöcher denen Jürgen gekonnt auswich. Je weiter wir in Richtung Osten fuhren, desto weniger Autos waren auf der Straße, aber umso mehr Pferdekutschen, Motorräder und Fahrradfahrer waren unterwegs. Oft musste man auf Null runterbremsen, weil uns auf der Gegenfahrbahn gerade auch eine Kutsche entgegenkam. Diese so unterschiedlichen Geschwindigkeiten richtig abschätzen zu können, ist gar nicht so einfach, wenn man zeitgleich auch noch den Schlaglöchern ausweichen muss.
Ein gefundenes Fressen für die Geier
Die ständig über uns kreisenden Geier warteten nur auf einen Fahrfehler oder dass uns das Benzin ausgehen würde. Zu unserem Glück haben wir sie enttäuscht! Auch als sich die Wolken bei einem heftigen Gewitter über uns entleerten und wir wie in einer Autowaschanlage, die überflutete Straße durchpflügten, wollten wir nicht als Geier-Futter herhalten. Dummerweise waren durch den Regen auch die Schlaglöcher unsichtbar geworden.
Tanken in Las Tunas: Eine Herausforderung
In der Provinzhauptstadt Las Tunas fanden wir die für uns zuständige Tankstelle nicht. Zum Glück können Kubaner Stadtkarten lesen und der sehr hilfsbereite Mann an der „falschen“ Tankstelle zeigte uns den Weg zur „richtigen“.
Dort drängelte sich ein Chaos von Lastwagen und Autos um die Zapfsäulen. Wir parkten vor einer Especial-Zapfsäule und ich versuchte mich durch die lange Schlange wartender Menschen zu kämpfen und zu bezahlen, was auch funktionierte. Was aber nicht ging, war den Tankrüssel in den Tank zu bekommen, der war einfach zu groß. Wir mussten die Zapfsäule nochmal umprogrammieren lassen, der Stutzen von der Gegenseite passte dann anstandslos.
Tanken ist nach wie vor spannend und wir lernen bei jedem Vorgang was Neues dazu. Mal brauchen wir den Nachweis der Autopapiere, mal müssen wir Coupons kaufen, immer kommt was Anderes dazu.
Auf der Suche nach unserem Casa Particular in Holguín
In Holguín angekommen, fanden wir unser Casa Particular nicht. Mit Organic Maps und der Hilfe eines Passanten entdeckten wir den Fehler. Der Straßenname war zwar gleich, der eine hatte aber ein ‚Calle‘ davor, der andere nicht.
Letztendlich konnten wir aber das Haus von Flor und ihrer Nichte ausfindig machen. Flor war eine sehr liebenswürdige ältere Dame, aber sie sprach kein Wort Englisch und ihre vielleicht 16-jährige Nichte auch nicht, obwohl diese die ganze Zeit am Handy war und man meinen müsste, dass sie mit YouTube auch etwas Englisch lernt. Unser Spanisch ist leider auch nur sehr rudimentär und beschränkt sich auf das, was wir in Südamerika gelernt hatten. Aber Dank Google Translate können wir uns verständigen.
Immer noch ohne Trinkwasser
Wir hatten zwei Zimmer mit Bad und über uns zwei Terrassen. Unser Zimmer ging raus auf einen Garten mit großem Mangobaum. Zum Glück konnten wir bei Flor 10 € tauschen, so dass wir wieder genug Geld hatten, um Abendessen gehen zu können. Nur Wasser hatte auch sie keines und wir waren inzwischen ziemlich ausgetrocknet. Dummerweise hatten alle Geschäfte an diesem Freitagnachmittag zu. Nur in einem kleinen Kiosk für alkoholische Getränke fanden wir zwar kein Wasser dafür aber eine sündhaft teure Flasche Sprite für 650 CUP.
Mittels Google Translate erkläre uns die Nichte, dass an diesem Freitag ein arbeitsfreier Tag wäre und deshalb alle Geschäfte zu wären. Sie ging für uns auch nochmal um den Block, konnte aber auch kein Wasser auftreiben. Flor kochte für uns Wasser ab, so dass wir auf jeden Fall einen Liter für die Nacht hatten.
Nichts los in Holguín
Die Straßen waren wie ausgestorben, Geschäfte gab es kaum, dafür aber unzählige schöne alte Häuser und Autos. Da unserer Unterkunft keine 200 m von der Fußgängerzone und den zentralen Plätzen entfernt lag, konnten wir alles bequem zu Fuß erkunden. Ob es an der Hitze lag oder dem arbeitsfreien Tag, konnten wir nicht beurteilen, aber es waren kaum Menschen unterwegs. Die Einkaufsmöglichkeiten in Holguín, was in etwa doppelt so viele Einwohner hat wie Darmstadt, ließen sich an einer Hand abzählen.
Holguín ist wie eine Stadt aus dem Bilderbuch!
Der Parque „Calixto Garcá“ bildet das Zentrum der Stadt. Um ihn herum lauter schön restaurierte Gebäude mit Säulen im Kolonialstil und alle besonders farbenfroh. Wenn man den Bulvar nach Norden läuft, also durch die Fußgängerzone geht, passiert man die Skulptur eines Mädchens mit Regenschirm. Von dort aus kommt man zu zwei weiteren Parks und auch zur Kirche Iglesia San José mit einer Engelsstatue davor. Dadurch, dass überall wunderschöne Oldtimer parken, gewinnt man den Eindruck als, wäre in Holguín die Zeit stehen geblieben.
Es hatten nur zwei Restaurants und eine Bar offen, wir entschieden uns für dasjenige, wo man auf der luftigen Dachterrasse sitzen und den großen zentralen Platz überblicken konnte. Die Pizza, war zwar ganz gut, aber nur lauwarm, als sie am Tisch ankam. Aber wir waren entsprechend hungrig und verputzten alles in sehr kurzer Zeit. Das Defizit in unserem Wasserhaushalt mussten wir mit Bier ausgleichen – es gibt Schlimmeres!
Ohne Klimaanlage nicht auszuhalten
Die Klimaanlage in unserem Zimmer war zu kalt eingestellt und in der Nacht zerrten wir an dem viel zu kleinen dünnen Bettdeckchen. Keiner von uns wurde aber wach genug, um die Fernbedienung zu suchen. Normalerweise verzichten wir auf Klimaanlagen, wo es nur geht, aber selbst nachts wird es hier nur unwesentlich kühler. Zu den 37°C kommt noch die Luftfeuchtigkeit, die zwischen 80 – 90 % liegt, hinzu. All das führt nicht unbedingt dazu, sich ohne AirCon besonders wohlzufühlen.
Morgen geht es aber gleich weiter ans Meer nach Baracoa, wo immer eine gute Priese weht und es bestimmt wieder erträglicher wird.
Eure Abenteuer in Kuba sind wirklich beeindruckend! Trotz der Herausforderungen, denen ihr auf eurer Reise begegnet seid, habt ihr euren Humor und eure positive Einstellung nicht verloren. Eure Beschreibung der saftig grünen Landschaft, der kreisenden Geier und der kleinen Missgeschicke beim Tanken vermittelt ein lebhaftes Bild eurer Erlebnisse.
Es ist bewundernswert, wie ihr euch durch die Straßen von Holguín navigiert habt, selbst wenn ihr auf der Suche nach eurem Casa Particular durcheinander gekommen seid. Und die Beschreibung der Stadt Holguín, mit den restaurierten Gebäuden im Kolonialstil und den farbenfrohen Oldtimern, lässt sie wie eine wahre Perle erscheinen.
Trotz der Wasserknappheit habt ihr es geschafft, das Beste aus eurem Aufenthalt zu machen und euch von der lauwarmen Pizza nicht die Stimmung verderben lassen. Eure positive Einstellung und die Fähigkeit, sich mit den Herausforderungen zu arrangieren, machen eure Reiseberichte besonders inspirierend.
Ich hoffe, dass eure nächste Etappe nach Baracoa euch eine erfrischende Brise und angenehmere Temperaturen bringt. Viel Glück für den weiteren Verlauf eurer Reise und vielen Dank für das Teilen eurer spannenden Erlebnisse!
Liebe Anna,
vielen Dank, dass du uns mental auf der Reise unterstützt! Ja, in Baracoa wehte tatsächlich immer ein angenehmer Wind und wir konnten uns bei gutem Essen und ausreichend Wasser vergnügen, dort wo Columbus an Land gegangen ist.
Liebe Grüße
Alex